Was macht ein Doc, wenn er keine Zeit oder keinen Bock hat? Wenn es ihm zu umständlich ist, zu prüfen, wo eine Hautreizung im Gesicht her kommt? Ganz einfach. Er verschreibt einfach mal alles, was so geht. Irgendwas wird schon dabei sein, was passt. Bloß nicht zu viel denken oder sich selbst irgendwelche Umstände machen.

Aufgrund einer kleinen juckenden Rötung im Gesicht erhalte ich eine große Gebrauchsanweisung und muss ein paar Wochen lang Tabletten schlucken. Hoppla. Antibiotika sind auch dabei. Gerade möchte ich dem Arzt mitteilen, dass ich dabei ein schlechtes Gefühl habe. Aber der Dermatologe mit Hummeln im Hintern ist bereits einen Schritt zur Tür raus.

Der Arzt in meiner derzeitigen Kleinstadt (für alle, die es noch nicht wissen – geboren bin ich in Köln 😉 ) sagt heute auch nicht viel. Eigentlich habe ich von ihm nur die Info erhalten, dass „so was“ nur Frauen hätten. Männer würden nicht so viel ins Gesicht schmieren und keine Schminke benutzen. Aha.

Ach da fällt mir ein, dass er noch was gesagt hat. Ich solle darauf achten, dass mein Söhnchen Leon nicht sein Behandlungszimmer auseinandernimmt. Der Kleine ist nämlich total fasziniert von seinen Verbandsachen. So was hat Mama nicht zu Hause.

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Brav nehme ich alle Pillen ein und schmiere mir das Zeug ins Gesicht.

Morgens Antibiotikum von innen. Kortison von außen. Mittags wieder cremen. Diesmal was gegen einen Pilz. Abends wieder ne andere verschreibungspflichtige Salbe. Boa juckt meine Haut danach. Von innen muss ich gegen Abend Pillen gegen Allergien schlucken. Fazit? Jetzt sprießen überall um den Mund herum Pickelchen. Hilfe!

Bist du Model, musst du komplett ungeschminkt zum Job. Du kannst nix verstecken. Der Visagist will ja direkt loslegen können. Aber so wie ich jetzt aussehe, kann ich nicht ohne deckendes Make up zum Kunden. Ein Zombie sollte nicht für Beauty, Wellness und Mode werben.

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Jetzt muss ganz schnell Plan B her. Nach ein bisschen Recherche lande ich bei einer Ärztin in Münster und trete ein.

Ach du Schreck. Ist das alles nobel hier. Anspruchsvollstes Ambiente direkt am schönen Aasee. Vor mir bildhübsche junge Blondinen. Nix da Arzthelferinnen. Eine davon ist die Ärztin selbst. Dann nehme ich im Wartezimmer Platz. Besser gesagt ein Luxus-Wintergarten mit Wellness-Liege.

Bin ich für so viel Klasse überhaupt chic genug angezogen? Mit meinem Miniröckchen und den Sneakern passe ich wohl grad eher zum Beach. Wie auch immer – hier scheint es ein besonderes Erlebnis zu sein, zum Arzt zu gehen.

Nachdem Frau Dr. Peukert sich erstmal begeistert auf mein goldiges Söhnchen stürzt, widmet sie sich meiner Haut. Schnell wird klar, dass ich meine „kleine Apotheke gegen alles“ entsorgen kann, weil ich nichts davon habe. Weder einen Pilz, noch eine Allergie und erst recht keine schwere bakterielle Entzündung, also nichts wogegen Frau ein Antibiotikum benötigt.

Ich habe einfach „nur“ eine kleine Periorale Dermatitis. Ich hätte eine Haut, die wenig braucht und der ich über Jahre hinweg zu viel Pflege gegeben habe. Stimmt! Weil man ja mit über 25 Jahren schon eine Augencreme braucht, dachte ich mir, dass es nicht verkehrt ist, wenn meine Pflege schön reichhaltig ist. Immerhin bin ich ja …ähmmm… bereits über 30.

Ich erfahre, dass meine Serie von Annemarie Börlind (Regeneration) zwar eine gute Sache ist, aber für mich eine Nummer too much. Na, ist doch schön zu wissen, dass ich eine Haut habe, die nicht viel braucht. Dachte immer, die wäre trocken. Na klar – wenn man reichhaltig cremt, dann gewöhnt sich die Haut ein bisschen daran und will das anscheinend weiterhin.

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Zwecks Ausreinigung und Ausquetschen von Aknepusteln und zur Kryotherapie meiner Haut werde ich anschließend von der kompetenten Frau Piela behandelt. Während ich die grüne Kräuter Maske von Dr. Wolff im Gesicht habe, spielt die Dame mit meinem kleinen Leon und gibt mir weitere Tipps.

Wie meine jetzige Hautpflege nach der Beratung in Münster aussieht? Bis sie sich wieder komplett beruhigt hat so: die milde hellblaue Seife Dermowas von Dr. Wolff, das Poren verfeinernde Gesichtswasser von La Roche-Posay, Linola (schwarze Aufschrift!) von Dr. Wolff als Tagescreme und Asche Basis für die Augen. Und La Roche-Posay 50 + Anthelios XL für die Freibadsaison. Wie es meiner Haut geht? Bereits eine knappe Woche nach dem Arztbesuch wieder fast genauso gut wie vorher. Mit dem Minimalprogramm. Sie ist gesund, rein und weich. Herrlich!

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Aber wann soll ich deren Rechnung öffnen? Die ist bestimmt ein kleiner Schock. Immerhin bin ich privat versichert und habe 1.200 Euro Selbstbeteilung. Und dann ist da ja noch eine kosmetische Behandlung dabei.

Ja. Ein Schock kommt tatsächlich, aber im positiven Sinne. Für das Beratungsgespräch wollen die weniger als die Hälfte dessen, was der Dermatologe mit Hummeln im Hintern verlangt. Krass! Das muss ich meinem Mann erzählen. Wovon leben die denn, möchte er wissen. Hmm…vielleicht von wiederkehrenden, zufriedenen Patienten? Der Doc in meiner Kleinstadt hat mich im Juli 2013 definitiv das letzte Mal gesehen.

Bis zum nächsten Mal und liebe Grüße von Elischeba