Gastbeitrag meines Co-Autors Dr. Reinhard Müller aus Bayern

Der Jahreswechsel ist traditionell die Hochzeit der Statistiker – die Zeit der Rückschau auf das vergangene Jahr und der Planung für das neue Jahr. Fast jeder von uns stellt in dieser Zeit auch seine Ausgaben auf den Prüfstand. Ein nicht unerheblicher Teil des jährlichen Budgets entfällt dabei auf Kosmetika – unter anderem auf Hautcremes, Lotions & Co.

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Aktuelle Kosmetika des Autors

Nicht umsonst stellen Kosmetika einen Multi-Milliarden-Dollar Markt dar (111 Mrd. US$ weltweit in 2014). Allein in Deutschland wurden 2014 fast drei Milliarden EUR mit Haut- und Gesichtspflegemittel umgesetzt.

Doch warum gibt es überhaupt soviele verschiedene Hautpflegemittel (Tagescremes, Nachtcremes, Augencremes, Lotions, Gesichtsmasken und Seren etc.) und sind die extremen Preisunterschiede zwischen einzelnen Produkten gerechtfertigt oder nicht? Kann man seine Tagescreme nicht einfach selbst machen … und wie geht das?

Das sind Fragen, die mir immer wieder gestellt werden und auf die ich in diesem Artikel und in weiteren Beiträgen eingehen werde.

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Model: Elischeba Wilde – Fotograf: Christian Grimmelt

Die meisten Hautpflegemittel bestehen aus Emulsionen. Doch was versteht man unter Emulsionen?

Jeder von uns kennt Emulsionen aus der Küche: Mayonnaise, Milch, Margarine oder leckere Salatsaucen wie das Thousand Island Dressing. All das sind Emulsionen bestehend aus einer wässrigen Phase, einer Öl-/Fettphase, einem Emulgator und einem Stabilisator.

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Italian Dressing – Essig und Öl – ohne Emulgator nicht mischbar

Jeder von uns weiß, dass diese Produkte nur eine begrenzte Haltbarkeit haben und sich relativ leicht trennen. Die Milch flockt aus, wenn sie sauer wird – Mayonnaise trennt sich, wenn sie zu warm gelagert wird – Margarine schwitzt aus, wenn sie erhitzt wird.

All das gilt auch für kosmetische Emulsionen. Emulsionen sind thermodynamisch instabil. … so der wissenschaftliche Begriff.
Das bedeutet: Wasser und Öl/Fett sind als solche nicht miteinander mischbar und bilden beim Zusammengeben zwei Phasen wobei die Ölphase aufgrund der geringeren Dichte auf der Wasserphase schwimmt. Erst beim Verrühren bildet sich daraus eine milchige Emulsion aus feinen Fett- & Wassertröpfchen. Ohne Zusatz eines geeigneten Emulgators / Stabilisators trennt sich die Mischung sobald man mit dem Rühren aufhört.

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Prinzipielle Struktur eines Emulgators

Der Emulgator sorgt aufgrund seiner besonderen chemischen Struktur – hydrophiler Kopf und hydrophober Schwanz – dafür, dass die feinen Tröpfchen stabilisiert werden und nicht so leicht wieder zusammenlaufen.

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Prinzip der Emulsionsbildung

Die chemische Struktur des Emulgators und dessen Konzentration entscheiden darüber, welche Art von Emulsion aus einer Wasser/Öl Mischung entsteht.

Neben der klassischen O/W-Emulsion (Öl-in-Wasser) und der klassischen W/O-Emulsion (Wasser-in-Öl) gibt es zahlreiche Misch- und Kombiformen (W-O-W), (O-W-O) etc. sowie Größenverteilungen (Makro-, Mikro- und Nano-Emulsionen) mit den unterschiedlichsten kosmetischen Eigenschaften.

Darauf werde ich im Detail in einem der folgenden Artikel separat eingehen.

Die Variationsvielfalt der möglichen Emulsionstypen ist aber nur ein Grund für die Vielfalt der Hautpflegeprodukte im Markt.
Ein weiterer, aber entscheidender Grund sind die unterschiedlichen Hauttypen: Von „normaler Haut“ über „jugendliche Haut“, die zu Akne neigt, und „reifer Haut“ bis hin zu fettiger oder trockender / fettarmer Haut sowie der berühmten „Mischhaut“ oder der „sensiblen Problemhaut“.

All diese Hauttypen benötigen ihre eigenen spezifischen Hautpflegeprodukte mit einer ganz speziellen Zusammensetzung.
Last but not least gibt es die verschiedensten Trends und Strömungen im Kosmetikmarkt – von hoch innovativ über bio & öko bis hin zu cosmeceuticals, consumer und luxury skin care.

Genau aus diesen Gründen gibt es auch eine Vielzahl unterschiedlicher kosmetischer Rohstoffe, insbesondere auch zahlreiche hautverträgliche Emulgatoren.

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chemische Struktur von Glycerylmonostearat

Ein sehr beliebter und breit eingesetzter Emulgator für klassische O/W-Emulsionen sowohl im Hautpflegebereich als auch im Lebensmittelbereich ist beispielsweise Tegomuls® 90 S (90% Glycerinmonostearat / 10% Natriumstearat)

Tegomuls® 90 S wird auch im DIY-Bereich zur Herstellung von O/W-Emulsionen für Tagescremes eingesetzt.

Seit den Zeiten der Hobbythek in den 1980er gibt es eine immer größer werdende Zahl an Rezepturen für Hautcremes zum Selbermachen.

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Fotografin: Margit Binder – Model: Dr. Reinhard Müller

Wenn Frau vor der Entscheidung steht, ob sie ihre Tagescreme weiterhin kaufen oder zukünftig selbst machen soll, dann sollte sie sich im Klaren sein, dass die Herstellung einer Tagescreme in den eigenen vier Wänden nicht ganz trivial und auch nicht ganz billig ist.
DIY-Kosmetik ist ein schönes, manchmal auch zeitaufwendiges Hobby.
Man benötigt neben diversen Rohstoffen u.a. verschiedene Bechergläser aus Duranglas, hitzebeständige Spatel, Tiegel, Rührer, Schaber aus Kunststoff, Glas und Porzellan sowie pH-Papier.
Oberstes Gebot bei der Herstellung von Hautcremes ist die Hygiene. Bakterien, Hefen und Pilze, die bei der Herstellung, Abfüllung, Lagerung oder beim Gebrauch eingeschleppt werden können, machen eine Hautcreme sehr schnell unbrauchbar.
Exaktes Arbeiten und Spaß am Experimentieren sind zwei weitere wichtige Erfolgsfaktoren für das Gelingen einer DIY Tagescreme.
Generell sollte man darauf achten, immer frische Rohstoffe einzusetzen. Länger gelagerte Rohstoffe verändern ihre Eigenschaften und beeinflussen die Eigenschaften des daraus entstehenden Produktes.
Selbst hergestellte Cremes weisen in der Regel eine begrenzte Haltbarkeit von vier bis sechs Wochen auf und sollten möglichst kühl und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Wenn die Cremes während des Gebrauchs mit Hilfe eines Spatels aus dem Tiegel entnommen werden, halten sie durchaus länger.

All diese Hinweise sollen euch nicht abschrecken, dieses Hobby auszuprobieren und dabei viel Spaß zu haben.

Bis zum nächsten Mal

Reinhard

Disclaimer: © Produktfotos und Grafiken von Dr. Reinhard Müller

 

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